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Meine heimlichen und unheimlichen Lesegewohnheiten

Wenn es um die Lesegewohnheiten von uns Buchmenschen geht, können wir schon ganz schön schrullig werden. Da mache ich selbst leider keine Ausnahme. Damit ihr wisst, wie verrückt die Leseratte hinter diesem Blog wirklich ist, hier nun meine heimlichen und unheimlichen Lesegewohnheiten:

1. Ich identifiziere mich sehr mit den Figuren meiner Bücher.

Und ich meine wirklich sehr, sehr, sehr! In der Regel denke ich mich in die (weibliche) Hauptfigur eines Romans hinein. Meinen Mann sehe ich automatischen im männlichen Gegenpart. Das ist gut und schön solange im Buch alles gut läuft, bei Dreiecksgeschichten oder Lug und Betrug werde ich dann aber ganz schön sauer.
Ihr glaubt nicht, wie ich meinem Mann gegrollt habe, als ich „Als Hemingway mich liebte“ las. Püh! Elender Schuft…

2. Ich klebe Wimpel und Markierungen an alle „wichtigen“ Textstellen.

Ich würde nie in ein Buch schreiben und habe auch jahrelang in keinem Buch mehr Textstellen angestrichen. Um wichtige Stellen trotzdem wiederzufinden, habe ich eine kleine Wimpelsucht entwickelt. Ich klebe diese kleinen Marker an alle „wichtigen“ Stellen. Wichtig können sein

  • wahre Worte
  • besondere stilistische Mittel
  • entscheidende Wendungen in der Handlung
  • oder… ja, warum habe ich hier noch mal einen Wimpel geklebt?

3. Ich schlafe auf meinen Büchern ein.

So gut wie jeden Abend lese ich länger als ich meine Augen offen halten kann. Dann schlafe ich mit meinem Buch im Arm, verblättere meist ein paar Seiten und wundere mich später, ob ich diese Stelle nicht eigentlich schon gelesen hatte?
Ich habe es übrigens perfektioniert einzuschlafen, ohne dass mir das Buch ins Gesicht oder vom Bett fällt.

4. Ich berechne meinen Lesefortschritt.

Besonders bei dicken Wälzern prüfe ich hin und wieder oft wie weit ich schon in der Geschichte vorangekommen bin. Dann fange ich mitten beim Lesen an zu rechnen oder aktualisiere unverhältnismäßig oft meinen Fortschritt bei Goodreads.

5. Ich lese immer mehrere Bücher parallel.

Mindestens zwei, eher aber drei bis fünf Bücher lese ich immer „parallel“. Das heißt nicht, dass ich ständig zwischen den Titeln wechsele, aber neben einer hauptsächlichen Lektüre müssen eben immer ausreichend alternative Titel zur Abwechslung bereitstehen.

6. Ich zeichne Personendiagramme für besonders komplizierte Bücher.

Wenn in einer Geschichte zu viele Personen oder Personen mit zu komplizierten Namen und Verbindungen enthalten sind, zeichne ich mir “Landkarten” für deren Verhältnisse. Mein schlechtes Namensgedächtnis macht es sonst vor allem nach einer kurzen Lesepause unmöglich, die Handlung zu verfolgen.

7. Ich brauche Verstärkung für die letzten 100 Seiten.

Sobald ich bei einem Buch die letzten 100 Seiten erreicht habe, muss ich immer noch ein zweites Buch mit mir herumtragen. Man weiß ja nie, ob ich das Buch plötzlich beenden könnte und dann ganz ohne Lektüre dastünde. Ein Alptraum! Diese Vorsichtsmaßnahme greift übrigens auch innerhalb der Wohnung und auch wenn ich weiß, dass ich nur noch eine halbe Stunde lesen kann. Trotzdem trage ich sicherheitshalber zwei Bücher mit aufs Lesesofa.

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9 Comments

  • Reply Kerstin von KeJas-BlogBuch Juli 27, 2017 at 6:18 pm

    Herrlich, wie genial ist das denn? Da habe mich ja direkt wieder entdeckt 🙂
    Erstmal hallo Alexandra und ein toller Beitrag, ich hab jetzt ein Dauergrinsen im Gesicht. Warum? Diese Zettelchen benutze ich auch und wenn gerade keins greifbar ist tut es auch ein Tempo.
    Mit den Protagonisten leide ich immer mit und kann Rotz und Wasser heulen.
    Parallel lese ich auch immer. Eins in der Küche, eins im Wohnzimmer.
    Und dieses Seitenzählen – jaaa – so kurz bevor ich die Mitte erreiche fange ich an zu zählen.
    Nur im Bett, das passiert mir nicht, kann im Liegen nicht lesen.
    Schön zu erfahren das ich mit meinen Macken nicht alleine bin.
    Liebe Grüße
    Kerstin

    • Reply Alexandra Juli 31, 2017 at 2:24 pm

      Hi Kerstin,
      Danke für deinen Kommentar! 🙂
      Bei mir ist liegen wohl die natürliche Haltung zum Lesen. Ich finde im Sitzen fast nie dauerhaft eine gemütliche Position und werfe mich dann ständig umher. Noch eine Marotte eigentlich *grübel
      Über das Thema können wir Bücherwürmer wohl alle ein Lied singen.
      Viele Grüße,
      Alex

  • Reply Silvia Juli 27, 2017 at 10:13 pm

    Ja, wir Bookaholiker…
    Ich habe andere Gewohnheiten. Ich schlafe nur sehr selten beim Lesen im Bett ein, lese normalerweise nur ein Buch auf einmal, muss im Urlaub aber mindestens 5 Bücher mehr mit ehren als ich schaffen kann.
    Normalerweise versuche ich auch erst am Tag nachdem ich ein Buch beendet habe ein neues anzufangen.
    Die Sache mit den Personenlandkarten sollte ich mal beginnen, das ist eine gute Idee!
    Viele Grüße
    Silvia

    • Reply Alexandra Juli 31, 2017 at 2:26 pm

      Liebe Silvia,
      vielleicht zeige ich mal einige meiner „Landkarten“, das ist ja doch auf einiges Interesse gestoßen. Gerade bei „Die Gestirne“ von Eleanor Catton hätte ich die Lektüre sonst wohl beendet. Und mittlerweile versuche ich dazu auch noch diletantisch zu zeichnen. Das hätte zumindest Unterhaltungswert.
      Danke für deinen Kommentar, viele Grüße,
      Alexandra

  • Reply Inga Juli 28, 2017 at 4:42 pm

    Sehr sympathisch! 😉
    In den Punkten 1, 2, 4 und 7 erkenne ich mich absolut wieder.
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

    • Reply Alexandra Juli 31, 2017 at 2:32 pm

      Hallo Inga,
      Danke für deinen Kommentar! Jetzt hat es langsam wirklich etwas von Therapiesitzung: ich merke ich bin nicht allein mit diesen ganzen Gewohnheiten. Yay!
      Wir könnten uns wöchentlich zu anonymen Sitzungen treffen und über unsere Süchte sprechen ;)…
      Viele Grüße,
      Alexandra

  • Reply Cookie Juli 30, 2017 at 10:41 am

    „Ihr glaubt nicht, wie ich meinem Mann gegrollt habe, als ich „Als Hemingway mich liebte“ las.“ Da habe ich sehr laut gelacht. So lange er immer weiß, dass es wegen deiner aktuellen Lektüre ist 😀 … Ich wünsche euch beiden jedenfalls vor allem Bücher ohne Lug und Betrug in der Beziehung! 😉

    Das mit den Personendiagrammen ist übrigens total super. Ich sollte mir sowas auch mal angewöhnen, bin dann aber meistens doch zu faul. Und das mit der Verstärkung, wenn ein Buch langsam zu Ende ist, kenne ich auch zu gut. Da ich im Moment viel unterwegs bin, nehme ich dann lieber noch ein zweites mit und so kam es, dass es ich jetzt gefühlt 100 angefangene Bücher hier liegen habe. Öhm.

    Auf jeden Fall ein toller Blogpost, ich habe zwischendurch sehr geschmunzelt 🙂

    LG
    Cookie

    • Reply Alexandra Juli 31, 2017 at 2:35 pm

      Liebe Cookie,
      tatsächlich lag genau darin das Problem: der ahnungslose Mann kam gutgelaunt nach Hause und hatte keine Ahnung warum er wütend angeguckt wird. Er hat nicht schlecht geguckt, als ich ihm das erklärt hab.
      Zum Glück weiß er, dass ich weiß dass er nicht wirklich Ernest Hemingway ist 😉 sonst würde er wohl mittlerweile doch an meiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln.
      Danke für deinen Kommentar und viele liebe Grüße,
      Alexandra

  • Reply Meine Lesegewohnheiten – Let ‚em eat books August 2, 2017 at 3:00 pm

    […] Twittergesprächen über Sommerlöcher hat das Read Pack angefragt, ob ich nicht Teil der Selbsthilfegruppe von Buchnerds mit seltsamen Lesegewohnheiten […]

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