Krimi & Thriller, Spannung

Rezension: Der Fall Kallmann von Hakan Nesser

Wer war Eugen Kallmann? Wo kam er her? Wieso hielt Kallmann sich nachts in einem Abrisshaus auf und stürzte dort in den Tod? War das ein Unfall oder Mord? Nach dem rätselhaften Tod des verschwiegenen Lehrers Kallmann ist ein ganzer Ort mit diesen Fragen beschäftigt. Als sein Nachfolger in den Unterlagen Kallmanns einige vielversprechende Tagebücher entdeckt, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln.

Als Leser landet man so mitten in einem typischen nordischen Kriminalfall: Menschen wie du und ich, kleine Dramen hinter netten Fassaden und viele Geheimnisse. Eine Kunst, die Hakan Nesser eigentlich virtuos beherrscht. Nun, vielleicht ist auch bei mir als Leserin einfach die Luft raus, aber irgendwie konnte mich “Der Fall Kallmann” einfach nicht so richtig packen. Das Buch plätscherte eher mittelmäßig an mir vorbei.

Warum sollte sich alle Welt für Kallmann interessieren? Der Autor konnte mir nicht die Dringlichkeit begreiflich machen, mit der in dieser Geschichte alle Charaktere um Kallmann kreisen. Ein wenig verschrobene und einzelgängerische Menschen gibt es viele, nicht jeder birgt ein düsteres Geheimnis?!

Trotzdem habe ich mich in der Erzählung zunächst heimisch gefühlt. Hakan Nesser baut die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven mit ihrem jeweils eigenen Fokus und Erzählton auf. Kallmanns Schülerin beschäftigt sich mit anderen Themen als sein Nachfolger oder die Kollegin. Das ist anfangs wirklich schön zu lesen und lässt auf spannende Verwicklungen hoffen. Erzählerisch kann Hakan Nesser einiges, er baut seine Romane anders auf, setzt den Fokus auf Kleinigkeiten und baut die großen Geschichten darum herum.

Die vermeintlich überraschenden Wendungen und Verbindungen der Geschichte sind dann aber leider doch wieder so erwartbar wie abgeschmackt. Ich habe das Buch bis zum Ende gelesen, immer in der Hoffnung, dass dann doch alles noch ganz anders aufgelöst wird, als man es schnell ahnt. Leider wird es das nicht. Manche Erwartungen werden zwar zunächst leicht verstreut, nur um dann doch wieder Erfüllt zu werden.

So ist schlussendlich alles beim Alten und in der nordischen Krimiseligkeit alles irgendwie gewohnt. Selbst mancher Handlungsstrang wirkt bekannt, wie ein paar gern getragene Socken: gemütlich aber langsam etwas dünn.

“Der Fall Kallmann” von Hakan Nesser, übersetzt von Paul Berf, erschienen im btb Verlag, 576 Seiten, 20,00 € (Hardcover)

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