Lebensart, Ratgeber

Rezension: Psyche? Hat doch jeder! von Lena Kuhlmann

Es ist völlig normal mit unseren Kollegen, Freunden oder sogar Nachbarn über den regelmäßigen Zahnarztbesuch zu sprechen. Wenn der Zahnarzt fündig wird und uns eine Wurzelbehandlung droht, sprechen wir auch darüber völlig frei. Warum ist es in vielen Fällen nicht möglich mit eben dieser Freiheit auch über eine psychologische Behandlung zu sprechen?

Lena Kuhlmann ist selbst Psychotherapeutin und schreibt in ihrem Buch „Psyche? Hat doch jeder!“ gegen das Stigma an, das Psychotherapie und psychische Erkrankungen immer noch umgibt. Sie räumt mit Vorurteilen auf und gibt Einblicke aus ihrem Alltag.

Für mich persönlich ist nichts Schlimmes daran, sich professionelle Hilfe zu suchen, wenn die Psyche aus dem Takt gerät. Ich selbst habe, nach zwei sehr beängstigenden gesundheitlichen Situationen, eben diese Hilfe gebraucht, da ich begann immer größere Ängste zu entwickeln. Die Psychotherapie half mir, aus dieser Negativspirale zu entkommen.
Diese überraschend normale, unkomplizierte Erfahrung hat mich für das Thema sensibilisiert und mir verdeutlicht, wie falsch das Bild ist, das wir von Psychotherapie in vielen Fällen noch haben.

Das Buch liest sich wie eine FAQ (häufig gestellte Fragen) an Psychotherapeuten. Es ist ein Streifzug durch die verschiedenen therapeutischen Fachrichtungen, über häufige Krankheitsbilder bis hin zu Behandlungsformen. Das Buch vermittelt Allgemeinbildung, um Vorurteilen weniger Raum zu lassen. Immer wieder sind anekdotisch Fälle aus dem therapeutischen Alltag der Autorin eingestreut, die das ganze Thema noch greifbarer machen.

Hin und wieder hätte ich mir tiefere Einblicke gewünscht, mehr Informationen über die verschiedenen Krankheitsbilder zum Beispiel. Vermutlich wäre das Buch dann aber nicht mehr ganz so leicht und flott zu lesen gewesen. Es ist ein unterhaltsamer Streifzug, kein Kompaktstudium. „Psyche? Hat doch jeder!“ ist ein Buch für alle, die unterhaltsam und locker etwas über Psychotherapie erfahren wollen.

Besonders gut gefallen haben mir im Buch übrigens die Abschnitte darüber, was eine gesunde Psyche überhaupt ist und was wir für unsere eigene ausgeglichene, stabile Psyche tun können. Von Entspannung bis zu Apps für schwierige Situationen war einiges dabei. Und auch wenn der Hygge-Trend nervt (mich eingeschlossen!) so wird deutlich, das nichts schlecht daran sein kann einen Spaziergang zu machen oder mit einem warmen Kakao auf dem Sofa zu sitzen und die eigene Seele zu pflegen.

Das ist für mich auch eine Kernaussage des Buches: wie wichtig eine gesunde Psyche ist und das wir uns nicht durch Druck und falsche Scham selbst die Hilfe einer Therapie verweigern sollten, wenn die Seele krank ist.

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