Eine Frage der Chemie


Mit Humor, Leichtigkeit und jeder Menge ganz besonderer Charaktere erzählt „Eine Frage der Chemie“ die Geschichte einer Wissenschaftlerin in den 1960er Jahren. Elizabeth Zott kann sich nur schwer in der elitären Welt der Forschung durchsetzen. Sie arbeitet hart, bekommt aber wegen ihres Geschlechts im Kollegium der chemischen Fakultät nie die Chance sich zu beweisen. Im Gegenteil, sie wird noch gewaltvoll davon abgehalten ihre Doktorarbeit abzuschließen.

Auch später kämpft Elizabeth weiter darum nicht im Schatten ihres begabten Partners zu stehen. Sie wird Mutter, weigert sich aber Ehefrau zu sein und sich hinter den Herd verbannen zu lassen. Als ihr Mann bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt und Elizabeth plötzlich alleinerziehend (und auch ein wenig überfordert) ist, nimmt ihr Leben eine unerwartete Wendung. 

Um Geld zu verdienen, sieht sie sich gezwungen einen Job als Fernsehköchin anzunehmen. Dort soll sie eigentlich nur ein paar nette Gerichte kochen und hübsch aussehen. Aber sie nutzt diesen Einfluss und die Sichtbarkeit, um Frauen im ganzen Land zu ermutigen, sich der Wissenschaft zu nähern und ihre Ziele zu verfolgen. 

Frauen in der Wissenschaft

Lasst euch nicht beirren, wenn euch das Buch als „Frauenliteratur“ verkauft wird (und lest noch einmal bei Nicole Seifert in „Frauen Literatur“ nach, warum es sowieso eine Frechheit ist, wie über die Romane von Autorinnen gesprochen und geschrieben wird). Auf den ersten Blick wirkt „Eine Frage der Chemie“ von Bonnie Garmus wie eine gemütliche Feel-Good Story. Das ist es auch, irgendwie. Aber es ist dabei eben doch noch ein bisschen mehr: es ist eine Geschichte über Wissenschaft und Feminismus, übers „beiseite gedrängt werden“ und „sich einen Platz erkämpfen“. Damit bietet dieses lockere, unterhaltsame Buch wichtige, interessante Perspektiven, die beachtet werden müssen.

Denn dass sich Männer mit den Ergebnissen von weiblichen Forscherinnen schmücken, ist auch auch in der Realität leider nicht weit hergeholt. Da reicht ein Blick auf die Geschichte von Rosalind Franklin. Die Biochemikerin leistete einen wichtigen Beitrag zur Strukturaufklärung der DNA. Es waren jedoch ihre männlichen Kollegen, die sich diese Entdeckung aneigneten und dafür später mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Während Rosalind Franklin leer ausging und in Vergessenheit geriet. 

Fazit und mehr davon

Elizabeth Zott wirkt in dieser Geschichte manchmal fast wie eine Karrikatur. Sie ist ein bisschen zu perfekt und zu unfreiwillig komisch, aber immer irgendwie noch charmant. Wir lesen von einer Frau, die sich gegen Konventionen durchsetzt, um eine wichtige Botschaft zu übermitteln. Das muss man einfach mögen. Sie wird immer wieder ebenso unterschätzt, wie ich selbst das Buch wegen seines Covers zunächst etwas unterschätzt habe. Obwohl ich es nach der Lektüre so mochte!

Das Setting und die Vermarktung des Romans haben mich ein wenig an „Die sieben Männer der Evelyn Hugo“ erinnert. Auch wenn „Eine Frage der Chemie“ viel witziger, dabei aber weniger divers ist. Beide Romane erzählen Geschichten von Frauen, die ihrer Zeit voraus sind und sich von Geschlechterklischees und Erwartungen nicht in eine für sie unpassende Rolle drängen lassen wollen. Der Humor des Romans und seine Leichtigkeit erinnerten wiederum ein wenig an „Wo steckst du, Bernadette“. Auch dieses Buch habe so oft allen möglichen Leser*innen empfohlen, weil es fast immer schafft ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Achja, eigentlich lohnt es sich schon „Eine Frage der Chemie“ zu lesen, weil da ein Hund vorkommt der Halbsieben heißt und über dreihundert Wörter kennt.

 

„Eine Frage der Chemie“ von Bonnie Garmus, übersetzt von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel, erschienen im Piper Verlag, 464 Seiten. Werbung: Wenn du mich unterstützen möchtest, kannst du das Buch (oder beliebige andere) über meine Partner genialokal, Hugendubel, Bücher.de kaufen.

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