11. September 2001 – Tage des Rauchs


Vom 11. bis zum 21. September 2001 führt Ellis Avery Tagebuch. Sie lebt in New York und erlebt die Anschläge auf das World Trade Center somit einerseits hautnah. Da sie jedoch keinen Kontakt zu direkt Betroffenen hat, behält sie auch eine gewisse Distanz.

„Tage des Rauchs“ ist aus ihren Tagebucheinträgen entstanden und beschreibt in kleinen, ganz alltäglichen Szenen, wie die Bevölkerung von New York die Tage nach den Anschlägen erlebt hat. Wie sich neben Rauch und Asche auch die Angst vor neuen Terroranschlägen oder einem Krieg der USA verbreitet. Was wir in Europa nur erahnen konnten, die Schockstarre, das ratlose Schweigen nach diesem historischen Einschnitt, bekommt bei Ellis Avery ein ziemlich plastisches Gesicht. In meinen Augen besonders wertvoll, da sie nicht in Patriotismus und Kriegsbegeisterung flüchtet. Sie reflektiert im Gegenteil auch sehr bewusst darüber, welche Gefahr muslimische Menschen nach den Anschlägen erlebten. Welchen Diskriminierungen sie ausgesetzt wurden.

So entsteht ein kleiner, ganz ruhiger Roman. Nachdenklich und tief traurig wenn die Atmosphäre der Stadt oder die Vermisstenanzeigen der Verstorbenen beschrieben werden. Aber auch liebevoll und lebendig, wenn es um die Autorin und ihre Partnerin, sowie deren Freund*innen geht. Ein Buch das nicht die politischen Fragen rund um den 11. September 2001 beantworten möchte, sondern sich zugewandt und empatisch mit den Emotionen derer beschäftigt, die dabei waren. 

 

„Tage des Rauchs“ von Ellis Avery, übersetzt von Alex Stern, erschienen im Lilienfeld Verlag, 152 Seiten. 

1 comment

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  1. 1
    Graffitiartist

    Hallo,

    vielen Dank für diesen interessanten Beitrag. Wieder ein sehr spannendes Thema! Das BUch klingt so wundervoll emotional. Danke dir.

    Ich freue mich auf weitere interessante Beitrage von dir!

    Beste Grüße
    Graffitiartist

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