Hemingway_mich_liebte
Fiktion, Liebe, Wahre Begebenheit, Zeitgeschichte

Rezension: Als Hemingway mich liebte von Naomi Wood

In „Madame Hemingway“ von Paula McLain lernte ich bereits Hadley kennen, Hemingways erste Ehefrau. Ich liebte und litt mit ihr. Die Idee in einem Buch von allen vier Frauen im Leben dieses großen Autors zu erzählen, hat mich nun natürlich nicht weniger begeistert.

Hemingway_mich_liebte„Als Hemingway mich liebte“ von Naomi Wood
Hoffmann und Campe
366 Seiten
20,00 € (Hardcover)

„Als Hemingway mich liebte“ ist eine wirklich beeindruckende Lektüre, aber Ernest Hemingway ist mir durch dieses Buch nicht unbedingt sympathischer geworden. Puh! So. Nun ist es raus. Ich erkläre euch natürlich auch, warum ich so fühle…

In „Als Hemingway mich liebte“ erfahren wir von den vier Frauen des Autors: Hadley, Fife, Martha und Mary. Das Problem? Schon im Titel des Buches steht die Liebe im Präteritum. Die Geschichten setzten tatsächlich immer ein, kurz bevor die jeweilige Beziehung sich vollständig auflöst.
Bei Hadley ist es der Aufenthalt in Antibes, gemeinsam mit Ernests Geliebter Fife. Später bei Fife wiederum sind es die verhängnisvollen Tage in Key West, in denen Ernest der jungen Martha begegnet. In jedem der vier Abschnitte (jeweils einer Ehefrau gewidmet) wird dadurch schon sehr dominant der Sprung zur nächsten Etappe gebildet.
Dazwischen gibt es zwar immer wieder Rückblenden und Erinnerungen an die glücklichen Zeiten des jeweiligen Paares, dieser Anteil kam mir aber deutlich zu kurz. Fife vergötterte Ernest Hemingway und liebte ihn bis hin zur Selbstaufgabe, dennoch werden leider überraschend dominant die negativen Aspekte ihrer Beziehung geschildert.
Noch unangenehmer wurden mir die Schilderungen des cholerischen Wesens des Autors und seines (im Verlauf seines Lebens immer stärkeren) Alkoholproblems. Zum Teil wurde er für mich dadurch etwas entzaubert. Natürlich sind Schwächen menschlich, das geschilderte beleidigende Wesen und sein aggressives Trinkertum jedoch, machten es mir schwer ihn mit den Augen seiner Frauen zu sehen. Wo ist der gefühlvolle, liebenswerte Mann, der sie so in seinen Bann zog? Ich habe mich in dieser Hinsicht phasenweise wirklich durch das Buch gekämpft. „Warum bleibst du bei dem Mistkerl, Mädchen?“ wollte ich der jungen Martha zurufen.

Stilistisch hingegen hat mich das Buch völlig überzeugt. Es ist sehr atmosphärisch, gefühlvoll und schwärmerisch verfasst, jeder der vielen beeindruckenden Handlungsorte wird detailliert und mitreißend umschrieben. Außerdem ist es sprachlich modern ganz ohne dadurch unglaubhaft zu werden was die zeitliche Einordnung betrifft. Auch die Sprache zwischen den Protagonisten ist besonders, manchmal roh und sehr deutlich, immer voll Emotionen.

Bei einem Roman hätte mich der etwas zu negative Fokus sehr gestört und es wäre mir rätselhaft geblieben, was die Figuren zu ihrem Verhalten bewegt. Nun basiert das Buch natürlich auf wahren Geschehnissen und kann daher die Realität nicht umschreiben. Das Ernest Hemingway ein faszinierender Mann gewesen sein muss, steht außer Frage. Die Erzählweise und die wirklich emotionalen Schilderungen haben mich (wie schon gesagt) außerdem sehr begeistert. Unterm Strich gibt es daher gerade noch 4 von 5 Leseratten. Ein beeindruckendes Buch, aber keines für die ungetrübt romantische Stimmung!

Das Buch in einem Tweet: „Als Hemingway mich liebte“ ist beeindruckende Lektüre aber Liebe in der Vergangenheitsform, nichts für die ungetrübt romantische Stimmung.

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2 Comments

  • Reply Madeleine März 15, 2016 at 12:02 pm

    Hi Alex,

    mir ging es beim Lesen ähnlich wie dir. Man fragt sich ein bisschen, was die Frauen an Hemingway finden, wo doch seine negativen Seite so stark durscheinen im Gegensatz zu seinen positiven. Trotzdem hab ich das Buch sehr gerne gelesen und es hat mir viel Spaß gemacht. Und auch Lust auf mehr aus Hemingways Leben.

    LG
    Madeleine

  • Reply Ingrid Juli 3, 2016 at 2:11 pm

    Mir ging es genau so: Ich fand das Buch toll geschrieben, aber verstehen konnte ich weder Hemingway noch die vier Frauen. aber irgendetwas müssen sie wohl bei ihm gefunden haben.

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