Dieser Beitrag wurde entfernt


„Dieser Beitrag wurde entfernt“ ist heute nicht etwa der Hinweis darauf, dass ich einen unüberlegt geschriebenen Blogbeitrag gelöscht habe, sondern der Titel von Hanna Bervoets Roman. 

Er handelt von Kayleigh, deren neuer Job darin besteht als Moderatorin in einem Social Media Netzwerk gemeldete Inhalte zu bewerten. Was ist verboten und wird gesperrt, was ist doch erlaubt und wird den Nutzer*innen ausgespielt? Dabei entscheiden die Moderator*innen nicht nach moralischen Maßstäben, sondern strikt nach den Regeln der Plattform. Eine männliche Brustwarze ist erlaubt, eine weibliche Brustwarze verboten. Videos bestimmter Grausamkeiten sind verboten, Fotos sind erlaubt, außer sie werden mit dem falschen Text gepostet. Wir alle kennen das.

Im Verlauf der Handlung verfolgen wir, wie die tägliche Konfrontation mit all diesen Bildern die Moderator*innen abstumpfen lässt, sie aber auch teilweise übertrieben ängstlich macht. Obwohl sie täglich der Flut all dieses Online-Mülls ausgeliefert sind, können auch sie sich zum Teil nicht genug abgrenzen und fallen Verschwörungsmythen zum Opfer, lassen Freundschaften daran zerbrechen. 

Im Roman findet sich, wie sollte es bei diesem Thema anders sein, viel Popkulturelles. So etwa Anspielungen auf die Netflix Serie „Don’t f*ck witch cats“ und verschiedene Verschwörungserzählungen. Dadurch ist er, unabhängig von seiner sowieso knappen Form und Umfang, sehr kurzweilig. Obwohl der Roman als ein einziger, großer Monolog aus Kayleighs Perspektive erzählt wird, wird es also zu keinem Zeitpunkt langweilig. 

Eher fragte ich mich immer wieder, ob sie wirklich eine zuverlässige Erzählerin ist? Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Arbeit nur an ihr keine Spuren hinterlassen hat? In dem kurzen, nur knapp 109 Seiten langen, Text finden sich dafür zwar leichte Anzeichen, aber primär wird uns eine Frau vorgestellt, die diesem System entkommen ist.

Ohne zu viel zu verraten hat mich vor allem das Ende des Romans sehr beschäftigt. Obwohl das gar nicht spektakulär ist, eher unscheinbar und roh. Aber es scheint als ob die Autorin noch einmal die Verbindung zwischen digitalem Hass und realer Welt aufzeigen will. Wie schmal der Grat ist, wie schnell man von einem zum anderen gelangt. Irgendwie hat mich dieses Bild sehr beschäftigt.

„Dieser Beitrag wurde entfernt“ ist ein kurzer und doch erschütternder Roman. Er erinnert (logischerweise) an „Automaton“, hatte für mich aber noch etwas Direkteres, Beklemmenderes, das mich noch mehr gepackt hat. Wobei man vermutlich am besten einfach beide Bücher liest! ‍♀️

 

„Dieser Beitrag wurde entfernt“ von Hanna Bervoets, erschienen im Hanser Literaturverlag, 112 Seiten. 

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