Drama, Fiktion, Spannung

Rezension: Blumen für Algernon von Daniel Keyes

„Blumen für Algernon“ ist ein echter Klassiker: schon 1966 erschienen ist das Buch auch heute noch weiterhin aktuell, die wunderschöne Geschichte ist sprachlich und inhaltlich zeitlos und das klassische Thema rund um Verstand und Gefühle bewegt Leser zu jeder Zeit.
Da dieses Buch aber auch einfach so ein echtes Vergnügen und eine beeindruckende, mitreißende Lektüre ist, möchte ich unabhängig von aller Allgemeingültigkeit nur jedem raten: das müsst ihr unbedingt lesen!

„Blumen für Algernon“ von Daniel Keyes
Klett-Cotta Verlag
298 Seiten
14,95 € (Taschenbuch)

Charlie Gordon hat einen IQ von nur 68 als er Teilnehmer eines ganz besonderen Experiments wird. Zwei Wissenschaftler wollen mittels einer Operation seine Intelligenz stärken und ihn nicht nur durchschnittlich begabt machen, sondern ihn zu einem echten Genie formen. In seinen Mitschriften verfolgen wir, wie Charlies Intelligenz, aber auch sein Wesen sich im Verlauf des Experiments verändern. Eine spannende, humorvolle aber auch tragische und traurige Geschichte.

„Blumen für Algernon“ ist Science Fiction aber ganz bodenständig. Zwar bietet die Geschichte viel „Science“, aber immer reduziert und realistisch aufbereitet. So kommen auch Leser, die bei diesem Genre sonst kritisch die Nase rümpfen, richtig auf ihre Kosten. In erster Linie ist „Blumen für Algernon“ nämlich einfach ein sehr guter und sehr gefühlvoller Roman. Wie sich Charlies Intelligenz und eben auch sein Charakter im Verlauf des Experiments verändern und wie er immer mehr Erkenntnisse über seine Vergangenheit gewinnt, hat mich sehr berührt. Man fühlt und leidet mit Charlie mit.
Wunderbar verbinden sich in diesem Buch dafür der Inhalt und die Form des Romans. Die Mitschriften, die Charlie während des Experiments anfertigt, verändern sich im Verlauf der Handlung immer weiter. Stück für Stück wird aus Charlies extrem fehlerhaften und grammatikalisch einfachen Texten, eine genaue Analyse und sprachlich anspruchsvollere Beschreibung seiner Erlebnisse. Wo man als Leser anfangs gebremst wird, weil die Fehler und fehlende Interpunktion die Texte schwer lesbar machen, entsteht später ein echter Sog.
Trotz aller Erfolge ist Charlies Entwicklung nämlich von Konflikten und Selbstzweifeln geprägt, ergeben sich dramatisch Wendungen und traurige Erkenntnisse. Charlie ist mir im Verlaufe des Buches sehr ans Herz gewachsen und die Dramatik rund um seine Entwicklung hat mich schwer beschäftigt. Neben aller Begeisterung für seine neuen Fähigkeiten, bleiben nämlich auch deren Schattenseiten.
Im Verlauf der Handlung werden viele wichtige Themen (manchmal ganz offen, manchmal ohne es auch nur zu erwähnen) in Frage gestellt. So stellt man sich als Leser unwillkürlich eben diese Fragen nach der Bedeutung von Verstand oder Gefühlen und vor allem auch nach Respekt und Toleranz.

An „Blumen für Algernon“ stimmt einfach alles: die Geschichte bietet Spannung und Unterhaltung, behandelt wichtige Themen und berührt so direkt wie nur wenige andere. Für mich ganz klar 5 von 5 Leseratten, Charlie und seine Geschichte hat sich einfach in mein Herz geschlichen.

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4 Comments

  • Reply Neu im Regal: einige Neuzugänge und neue Regale Juli 17, 2015 at 11:00 am

    […] Meine Ausbeute: “Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke” von Karen Joy Fowler, “American Gods” von Neil Gaiman (der Director’s Cut) und “Sehr geehrter Herr M.” von Hermann Koch. “American Gods” war ein absoluter Spontankauf und echter Glücksgriff, ich bin nahezu durch und schwer begeistert. Die fabelhaften Schwestern wurden mir von Mara unfassbar schmackhaft gemacht (das musste ich einfach kaufen) und “Sehr geehrter Herr M.” steht schon ewig auf meiner Wunschliste. Eine kleine Selbstbelohnung für den Stress der letzten Tage, quasi.Kurz vor meinem “Umzugsurlaub” hat mich außerdem “Ein wunderbares Jahr” von Laure Dave aus dem blanvalet Verlag erreicht und genau am Umzugstag brachte der Postbote “Blumen für Algernon” von Daniel Keyes aus dem Klett-Cotta Verlag. Beide Bücher haben mir die jeweiligen Tage unglaublich versüßt! “Blumen für Algernon” habe ich außerdem sofort gelesen und noch mitten zwischen Umzugskisten sitzend, sofort vorstellen müssen. Wenn ihr das noch nicht gelesen habt, schaut mal rein. […]

  • Reply Alex’ persönlicher Jahresrückblick 2015 & #BSBP 2015 Dezember 29, 2015 at 6:15 pm

    […] Juli “Blumen für Algernon” von Daniel Keyes […]

  • Reply Bücherratten September 17, 2016 at 5:45 pm

    „Blumen für Alergon“ ist mir eigentlich ist mir in der Buchhandlung zuerst hauptsächlich wegen der süßen Maus auf dem Cover ins Auge gestochen und da mich der Klappentext extrem neugierig machte, kam das Buch auch mit nach Hause. Genau wie auch dir hat mir der Roman wirklich extrem gut gefallen und ich denke sehr gerne an die schöne Geschichte zurück.
    Ein Buch, dass leider viel zu wenige kennen aber wirklich lesenswert ist.

  • Reply Bücherratten September 17, 2016 at 5:46 pm

    „Blumen für Algernon“ ist mir eigentlich ist mir in der Buchhandlung zuerst hauptsächlich wegen der süßen Maus auf dem Cover ins Auge gestochen und da mich der Klappentext extrem neugierig machte, kam das Buch auch mit nach Hause. Genau wie auch dir hat mir der Roman wirklich extrem gut gefallen und ich denke sehr gerne an die schöne Geschichte zurück.
    Ein Buch, dass leider viel zu wenige kennen aber wirklich lesenswert ist.

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