Drama, Fiktion

Rezension: Best Boy von Eli Gottlieb

Ich habe dieses Buch vor Kurzem geschenkt bekommen und wunderte mich nach der Lektüre ernsthaft, warum ich bisher nichts davon gehört hatte. Ein Geheimtipp? Ein Buch, das nur eingeweihte Leseratten kennen? Das muss ich heute ändern, denn mich hat es wirklich bezaubert! Eine Geschichte wie eine feste Umarmung, aber stellenweise auch ganz schön traurig.

Zugegeben, ganz neu ist die Geschichte nicht: in “Best Boy” von Eli Gottlieb geht es um Todd Aron, er ist Autist und lebt irgendwie in seiner ganz eigenen Welt. “Mal wieder ein Buch, über Autismus” könnte man denken und natürlich finden sich auch einige der in diesen Geschichten üblichen Klischees, aber doch hat “Best Boy” auch eine ganz eigene Perspektive. Todd ist Mitte Vierzig, ein “alter Hase” im Behindertenheim und nicht der übliche jugendliche Charakter. Trotzdem ist Todd beinahe kindlich-unbedarft, Spezialist für Fastfood und Oldies und einfach ungemein sympathisch. Als ein neuer, äußerst unsympathischer Pfleger auftaucht, wird Todds Leben im Pflegeheim aus der Bahn geworfen und er setzt alles daran bald wieder nach Hause zu können.

Neben dem kleinen Road Trip der sich in dieser Geschichte entwickelt und all den niedlichen Eigenarten, die die Figuren auszeichnen, ist es vor allem ein ziemlich trauriges Thema, welches in “Best Boy” zur Sprache kommt. Es geht darum, was mit pflegebedürftigen Menschen passiert, wenn ihre Hauptbezugspersonen sterben. Ein Problem, dass durch den Fortschritt der Medizin und immer bessere Versorgung von kranken und behinderten Kindern, immer häufiger auftritt.
In “Best Boy” ist es Todds Bruder, der gegen seine eigenen Vorbehalte und aller Anstrengung zum Trotz versucht, die eigenen Eltern zu ersetzen. Er möchte für Todd da sein, zunächst aus Pflichtgefühl, später aus Liebe. Denn genau das ist es, was Todd, der “Best Boy”, sich wünscht. Er ist immer ein guter Junge, tut was ihm gesagt wird und hofft dafür auf Liebe und Anerkennung. Verrückt, dass ein so normaler Wunsch zunächst ein unüberwindbares Problem scheint.

Trotz dieser schweren Kost und unglaublich trauriger Momente, ist “Best Boy” aber auch äußerst komisch und gerade durch Todd als ich-Erzähler spannend zu Verfolgen. Immer wieder sind Situationen eindeutig uneindeutig, der Leser ahnt, was unser Erzähler erst sehr viel später begreift. Aber auch ganz gewollt ist Todd zum Teil schlagfertig, humorvoll und wie schon gesagt einfach eine liebenswerte Figur.

Ich habe das Buch sehr gern gelesen, habe mit Todd und seiner Familie, aber auch den anderen Pflegebedürftigen in diesem muffigen Heim mitgelitten. Eines der Bücher, die uns einen anderen Blick auf die Welt geben.

“Best Boy” von Eli Gottlieb, übersetzt von Jochen Schimmang, erschienen im C.H. Beck Verlag, 252 Seiten, 19,95 € (Hardcover)

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1 Comment

  • Reply -Leselust Bücherblog- Oktober 9, 2017 at 7:36 pm

    Liebe Alexandra,
    Dieses Buch steht schon sehr lange auf meiner Wunschliste und deine begeisterte Rezension überzeugt mich, es mir jetzt endlich mal zu kaufen. Ich interessiere mich eh sehr für das Thema Autismus, und was du über die Geschichte und die Charaktere schreibst klingt so gut, dass ich jetzt nicht mehr widerstehen kann.
    Schade, dass das Buch nicht bekannter ist. Aber wir Blogger haben ja mit unserer kleinen Reichweite immerhin auch ein bisschen Einfluss und können wenigstens unter unseren Followern unbekannte Herzensbücher bekannter machen. Und ich zB freue mich immer besonders, wenn ich auf Blogs Bücher entdecke, die keine Besteller sind und eh überall besprochen werden. Und so geht es glaube ich einigen Lesern und Leserinnen.
    Also Danke für die schöne Buchvorstellung.
    Liebe Grüße, Julia

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